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Imelda Angehrn ist auch heute noch vielen Bulldog Fans ein Begriff. Ihr Buch über den
English Bulldog ist immer noch ein quasi Standardwerk im deutschsprachigen Raum.
Nach 35-Jahren Bulldog-Zucht entschloss sich Frau Angehrn vor 6 Jahren, nicht
mehr English Bulldogs zu züchten und eine neue Rasse zu kreieren, den Continental
Bulldog.
Problematisch ist Angehrns Begründung ihrer Abwendung vom Engländer,
der "in den letzten 20-30 Jahren" so Angehrn "fast ausschließlich nur noch auf
Schönheit und - man kann sogar sagen Skurrilität - fast zu einer Comicfigur
verzüchtet worden" sei (Wuff 11/07, S.24).
Diese kritische Entwicklung des Bulldogs im deutschsprachigen Raum wurde
von Frau Angehrn allerdings selbst maßgeblich mitbestimmt. Ihr Zwinger
Pickwick war der wohl am meisten und höchsten prämierte Bulldog-Zwinger des
Kontinents überhaupt. Angehrn hat nach eigenen Angaben insgesamt 59 internationale
Champions produziert. Bei Aufgabe ihrer Zucht hatte sie allein 11 internationale
Champions stehen. Mir ist kein English-Bulldog-Zwinger bekannt, der so
professionell wie Angehrns Pickwick im offiziellen FCI Zucht- und Ausstellungswesen
agiert hat. Angehrn selbst war also sehr wohl und offenbar auch sehr erfolgreich
in der von ihr selbst so bezeichneten Zucht von "Comicfiguren" etabliert. Und
das über mehr als 30 Jahre hinweg, erfolgreicher als alle anderen Bulldog-Züchter
im deutschsprachigen Raum.Wir unterstützen es nach wie vor, wenn schonungslos auf die gesundheitlichen
Probleme hingewiesen und Konsequenzen gezogen werden. Aber die Feststellung Angehrns,
der Bulldog sei nicht mehr zu retten, schüttet das Kind, zumal noch ihr eigenes,
mit dem Bade aus.
Frau Angehrn sagt selbst zur FCI-Schönheitszucht: "Das hat nichts mehr damit zu tun,
wie es der Standard eigentlich beschreibt." (Wuff 11/07, S.24) Genau, der
Standard erlaubt einen gesunden English Bulldog! Warum hat sie dann nicht auch
genau diesen Weg beschritten und gesunde Bulldogs im Rahmen des gültigen Standards
gezüchtet?
Sie hätte sich dann allerdings bei den offiziellen Ausstellungen mit hinteren
Plätzen zufrieden geben müssen und vorerst kaum einen internationalen Titel
gewinnen können. Die aktive Unterstützung aller Bulldog-Freunde wäre ihr allerdings sicher gewesen.
Solange und sofern sie anfangs diese Richtung eingeschlagen hatte, wurde
sie auch engagiert von uns unterstützt.
Und selbst die Engländer hätten Frau Angehrn wohl kaum daran hindern können,
ihre Nationalrasse nach Standard zu züchten - nur eben auf Gesundheit orientiert.
In den Augen von Angehrn ist der English Bulldog gesundheitlich nicht
zu retten. Für uns Bulldog-Fans ist es wichtig, eine solche Aussage nicht unwidersprochen
stehen zu lassen.
Zum einen wollen wir uns nicht den Vorwurf gefallen lassen müssen,
letztlich Qualzucht zu unterstützen, zum anderen liefert Frau Angehrn all denen
in Brüssel und Berlin eine Steilvorlage, die über ein Verbot der Zucht bestimmter
Rassen wie des English Bulldogs nachdenken. Bulldogge.de schließlich setzt sich im Gegensatz zu Angehrn für eine nachhaltige
Gesundung der Rasse ein.
Tatsächlich ist es so, dass das offizielle FCI/VDH Zucht- und Ausstellungswesen
(Deutschland) in unverantwortlicher Weise Übertypisierungen und damit gesundheitliche
Probleme beim Bulldog hervorgebracht hat.
Während die FCI-Zuchtvereine in der Schweiz
und auch in Österrreich mittlerweile weniger extrem vorgeht, ist das Thema Gesundheit beim
VdH/ACEB eine regelrechtes Reizthema, über das nicht einmal ernsthaft diskutiert
werden kann.
Es gibt in Deutschland noch keinen Zuchtverband, der sich der gesundheitlichen
Probleme des Bulldogs ernsthaft annimmt. Ein riesiges Problem für unsere
Bulldogs in Deutschland.
Die Englische Bulldogge ist eine weltweit verbreitete Rasse. In den USA
steht sie sogar auf Rang 12 der am meisten gehaltenen Rassehunde. Es gibt Bulldogs
in Alaska wie Südafrika, Japan oder Hawaii. Ein riesiger Genpool, der genug
gesundes Potenzial enthält.
Es ist schade, dass Frau Angehrn dieses Gen-Potenzial
nicht nutzen wollte und sich für die Schaffung einer neuen Mini-Rasse entschied.
Schade für uns Freunde des Bulldogs und in allererster Linie schade für den
English Bulldog selbst.
* Zitat Angehrn aus der WUFF 11/07:
"Die Rasse ist in den letzten 20-30 Jahren fast ausschließlich nur noch auf
Schönheit und - man kann sogar sagen Skurrilität - fast zu einer Comicfigur
verzüchtet worden. Das hat nichts mehr damit zu tun, wie es der Standard
eigentlich beschreibt. So wie sich die Rasse entwickelte, hatte es enorme gesundheitliche
Konsequenzen. Und die haben mich bewogen, etwas Neues zu machen. ... Aber vor
allem die Engländer waren nicht damit einverstanden, dass man an ihrer
Nationalrasse herumbastelt ... Das gab dann für mich den Ausschlag, eine
neue Rasse zu züchten." (Angehrn in WUFF 11/07, S.24)
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