Eine kurze Geschichte des Vereinslebens um den Englisch Bulldog
1945-1980 1901 Der Kontinentale Bulldog Club wird gegründet. Er war einer der ersten Rassehunde-Club Deutschlands überhaupt.
1933-1945 Otti Herrmanns Einsatz für den English Bulldog
Otti Herrmann wird von ihren Zeitgenossen als
eine ganz ungewöhnlich integere und mutige Persönlichkeit beschrieben. Wir haben
nicht viele Dokumente über sie. Aber die wenigen, die wir haben, belegen
dies!
 Otti Herrmann Über Otti Heermanns unbedingte
Integrität schrieb Dr. W.K.J.J. van Ommen Kloeke, damaliger Präsident
des niederländischen Bulldogzuchtverbandes, in einem Brief an C.Savory:
Otti Heermann sollte am 23. und 26.
April 1936 in Köln auf der Reichssiegerausstellung die
Bulldogs richten. Von der NSDAP wurde ihr unter Drohungen
nahegelegt nur einen Bulldog aus deutscher Zucht zum Sieger zu erklären.
"Es wurde das spannendste Richten, welches ich in
meinem 48-jährigen Hundeleben jemals mitmachte. Es war eine stattliche Anzahl
Bulldoggen gemeldet, neben unserem "Niederländischen Champion" auch noch zwei
Champnions aus Skandinavien. Erst wurden die 'Rüden - und für unseren Geschmack
- sehr langwierig, gerichtet. Ein deutscher Hund gewann. Wieder verging eine
Zeit bis die Jugendklasse Hündinnen gerichtet wurde, die Spannung wurde immer
unerträglicher. Dann kam endlich der Moment, in dem die die sechs Hündinnen der
Offenen Klasse in den Ring gerufen wurden. "Snowball" ging mit locker
rollendem Gangwerk ihre Runde und blieb auf mein Kommando unbeweglich stehen.
Dies hatte ich ihr so beigebracht, und ich konnte auch die Leine neben sie auf
den Boden legen, eine Übung, die immer Eindruck auf die Richter macht. Denn gut
vorführen, das ist der halbe Gewinn ! Sie stand wie ein echter "John Bull", mit
mächtigem, doch weiblichem Kopf, etwas erhoben, die kräfigen Vorderbeine neben
der breiten Brust. Mit elegantem Karpfenrücken, gut gewölbten Rippen und einer
schlanken Hinterhand, sie stand dort wie ein Standbild. Die Richterin ging
mehrmals an den sechs Hunden vorbei, aber sie kam jedesmals zu "Snowball"
zurück. Und dann brach die Spannung..., sie kam zuletzt auf uns zu und
gratulierte mir. "Snowball" war Reichssieger 1936 geworden.... Einige Wochen
später bekam Otti Heermann einen offiziellen Brief vom "RDH". Ihre Erlaubnis zum
Richten wurde eingezogen mit der Begründung, daß sie nicht das Wissen hätte um
diese Rasse weiter zu richten...".
Otti Heermann schrieb selbst sehr bewegend über
eine Bombennacht während Krieges, die sie mit ihren Bulldogs im Luftschutzkeller
verbrachte. Sie schützte ihre Bulldogs voller Verzweiflung und Mut mit ihrem
Leben.
1945-1965 Wiederaufbau
 Unser Rassehund, April 1962 Nach dem Krieg bewahrte sie sie auch davor, von der englischen
Besatzungsmacht eingezogen zu werden. Aus ihren Texten geht hervor, wie sehr
ihre Bulldogs und sie sich wortlos und unmittelbar verstanden. Oft sind
ihre Texte auch mit Humor und Schmuzeln über die unterschiedlichen
Charaktere ihrer Bulldogs durchzogen. Eine wunderbare Frau, Bulldogliebhaberin
und Züchterin, die ein großes Vorbild ist!
Otti Herrmann hatte sich nach den Schrecken des Hitler-Faschismus
sofort an den Wiederaufbau des Bulldogslebens in der BRD gemacht, was
ihr auch vorerst gelungen war.
1965- 1971 - der CEB im Niedergang
Nach dem Tode von Otti Herrmann 1964 übernahm Ober-Ingenieur W.Seemann aus Baden-Baden zunächst kommissarisch die Leitung des CEB und wurde später zum 1. Vorsitzenden gewählt. Die Zahl der auf Ausstellungen vertretenen Bulldoggen sank und eine schlechte Zahlungsmoral bei den Beiträgen musste beklagt werden. Seemann gelang es nicht, den Verein zusammenzuhalten und zu neuen Erfolgen zu führen. Er kapitulierte vor den Intrigen einiger Mitglieder und legte sein Amt nieder. Am 31.12.1968 trat er zusammen mit Kassier Kurt Grimm aus dem CEB aus. Vorher richtete er noch einen Brandbrief an den VDH mit der Bitte, sich um den CEB zu kümmern.
1971 - der VDH hilft
 Unser Rassehund, März 1965 Der VDH nahm diese Bitte ernst aber erst 1971 waren seine Bemühungen erfolgreich. VDH-Hauptgeschäftsführer Ditthardt und Bulldog-Züchter Rudolf Maaß aus Lübeck ergriffen Anfang 1971 Maßnahmen zur Reaktivierung des CEB. Am 06.11.1971 wurde unter Federführung des VDH ein Vorstand und weitere Gremien gebildet. Mit 13 Mitgliedern hatte sich der CEB neu konstituiert. Die Züchterin Kari Wolfsjäger wurde zur 1. Vorsitzenden gewählt.
Der CEB blüht auf
Die Bulldog-Zucht lebte auf und eine Blüte des CEB begann. Kari Wolfsjäger hatte großes Geschick in der Gewinnung neuer, nicht selten auch prominenter und kapitalkräftiger Mitglieder und Förderer des CEB. So wurde über Jahre hinweg die Mitgliederzeitung unentgeltlich vom Burda-Verlag gedruckt, gestandene Persönlichkeiten der Gesellschaft übernahmen Ehrenämter. Die Mitgliederzahl war bereits im Jahr 1973 auf 218 angewachsen. Der CEB war damit nach eigener Feststellung der größte Bulldog-Club ausserhalb Englands geworden. Regelmäßig wurden Ausstellungen organisiert, internationale Kontakte gepflegt. Die Welpen aus den Zwingern des CEBs waren sehr gefragt. Es gab Bestellungen aus aller Welt, selbst aus des Bulldogs Mutterland England. 1974 wurde der CEB als e.V. in Dortmund eingetragen. Zum 75-jährigen Bestehen des CEB wurde am 15./16.Mai 1976 eine internationale Clubshow in Brühl organisiert. Der damals renomierte Züchter Ernie Hubbard aus New Jersey, USA, konnte als Richter gewonnen werden. Der CEB war auf seinem Höhepunkt.
Der Kommerz nimmt Oberhand
 Dewrie Drummer Boy - Top Bulldog der 70er Doch die 1. Vorsitzende Kari Wolfsjäger hatte auch eine Schattenseite. Es häuften sich Beschwerden über kranke Bulldogs, unseriöse Geschäftspraktiken und Verstöße gegen die Zuchtordnung. Kari Wolfsjäger als 1. Vorsitzende bügelte diese Beschwerden regelmäßig ab. Nicht ohne Grund, war sie doch höchstpersönlich in diese Praktiken involviert. Wolfsjäger war die erfolgreichste Züchterin der 70er Jahre im deutschsprachigen Raum. Mit ihrem Zwinger "Cincinatti" belegte sie bei Ausstellungen regelmäßig erste Plätze und züchtete zahlreiche Champions. Welpen ihres Zwingers waren sehr begehrt und erzielten gute Preise.
Ein Kampf zwischen echten Liebhabern der Hunde und den Züchtern um Wolfsjäger, für die der Gewinn im Mittelpunkt stand, entbrannte. Kari Wolfsjäger konnte zunächst die Züchterinteressen durchsetzen und die Beschwerden erfolgreich abblocken. Doch das sollte sich ändern. Als später sogar der Bundesgeschäftsführer des Deutschen Tierschutzbundes, Klaus Ennulat, beim VDH vorstellig wurde, nahm sich dieser der zahlreichen Beschwerden an. Der VDH führte eine Untersuchung der Zustände im CEB durch.
Ausschluss aus dem VDH
Das Ergebnis war niederschmetternd, der VDH-Vorstand war ob des Umgangs mit Hunden und Kunden durch den CEB empört. So schloß er am 15.03.1976 den CEB e.V. aus dem VDH aus. In der Begründung des VDH heisst es: "Zusammenfassend ist zu sagen, daß der CEB in seinen Reihen Mitglieder duldet, die gegen tierschützerische Gedanken und gegen Zuchtbestimmungen verstoßen. Besonders erschwerend ist, daß diese Vorwürfe gegen ein Mitglied in konzentriertem Maße erhoben werden, das in leitender Funktion des CEB tätig ist: Frau Kari Wolfsjäger." - Der CEB war am Ende.
1976 - der CEB am Ende
Erst ein neuer kommissarischer Vorstand um Dr. Bernhard Deermann und Prof.Dr. Wilhelm Dittmer konnte den Vollzug dieses Ausschlusses abwenden. Allerdings sollte der CEB auf Wunsch des VDH liquidiert und stattdessen ein neuer Bulldog-Verein im VDH geschaffen werden. Zudem war im Frühjahr 1976 mit dem "Deutschen Club für Englische Bulldogs e.V." ein zweiter Bulldog-Verein gegründet worden, der Antrag auf Mitgliedschaft im VDH gestellt hatte.
Der VDH drängte auf ein Zusammengehen beider Vereine - allerdings unter Ausschluss der Leute um Wolfsjäger - in einem neu zu gründenden Bulldog-Verein. Am 09.03.1977 gründeten so sieben Unterzeichnende den Allgemeinen Club für Englische Bulldogs (ACEB).
Die 7 Gründer des ACEB waren: Yvonne Autermann, Dr. Bernhard Deermann, Doris Ehrenstein, Friedrich Krudewig, Robin Preston, Hubert Rechmann und Dr. Ulrich Schäfer. Deermann, Preston und Schäfer bildeten das Präsidium, Krudewig wurde Zuchtleiter und Ehrenstein Geschäftsführerin. Dr. Bernhard Deermann wurde später von der Mitgliederversammlung des ACEB zum 1. Vorsitzenden gewählt.
1977 - der ACEB wird gegründet, der CEB aufgelöst
 Gründungsdokument des ACEB Unmittelbar nach Gründung des ACEB wurde wie geplant und mit dem VDH abgestimmt der CEB durch einstimmigen Beschluss der Mitgliederversammlung am 21.05.1977 offiziell aufgelöst (entsprechend §18(2) der Satzung des CEB, der eine Auflösung auch mit Mehrheit der Anwesenden vorsieht; danach stellte der gerichtlich bestellte Liquidator Rolf Ehrenstein offiziell die Auflösung fest und diese wurde entsprechend veröffentlich und beim AG Dortmund angezeigt; offizielle Bekanntgabe im VDH-Organ "Unser Rassehund" März 1977 und Auszug aus dem Vereinsregister von 1977) .
Der CEB existierte nicht mehr und ging mit den meisten seiner am Schluß noch 171 Mitglieder im ACEB auf. Über 70 Jahre hinweg hatte der CEB dem Bulldog die Treue gehalten. Leute wie Otti Herrmann hatten unter grossem Einsatz den Bulldog durch den Zweiten Weltkrieg und vor dem Hass der Nazis retten können. Aus Geldgier einiger Züchter war er in seinen letzten Jahren aber so tief gesunken, dass er wegen Tierquälerei aus dem VDH ausgeschlossen und aufgelöst wurde.
Nun hatte der ACEB das Erbe des CEB übernommen. Er war jetzt der einzige Verband, der den English Bulldog im VDH und in der BRD ganz allgemein vertrat. Kari Wolfsjäger und einigen anderen Züchtern des ehemaligen CEB konnte eine Mitgliedschaft im ACEB erfolgreich verweigert werden.
Moderne Zuchtordnung
Zuchtleiter Krudewig und Dr.med.vet. Witteborg entwickelten im ACEB eine Zuchtordnung, die von dem Wohl und der Gesundheit des Bulldogs getrieben wurde. Eine für die damalige Zeit keineswegs selbstverständliche HD-Untersuchung wurde vorgeschrieben, Inzucht und Inzestzucht ausdrücklich verboten. Hündinnen durften erst ab einem Alter von 15 Monaten belegt werden. Dr. Witteborg entwickelte detaillierte Anweisungen, wie eine HD-Aufnahme anzufertigen und zu interpretieren sei. Die Gesundheit des Englisch Bulldogs wurde endlich ernst genommen. Auch auf ein seriöses Geschäftsgebaren seiner Züchter legte der Vorstand grossen Wert.
Wieder Streit um den Kommerz
So wundert es nicht, dass der Vorstand bei einigen Züchtern nicht gerade gut gelitten war. Der Kampf mit unserösen Züchtern ging wie schon beim aufgelösten CEB weiter. Er führte in einigen Fällen zu juristischem Streit zwischen Vorstand und Zuchtleitung auf der einen und einzelnen Züchtern auf der anderen Seite. Eine Züchterin aus Norddeutschland verkaufte einer alten Dame einen überlebensunfähigen Welpen ohne Schließmuskel und musste erst juristisch gezwungen werden, den Kaufpreis zurückzuerstatten. Dr. Deermann entschuldigte sich im Namen des ACEB persönlich bei der alten Dame. Die gleiche Züchterin musste wiederholt wegen Verstößen gegen die Zuchtordnung angemahnt werden. Insgesamt eine erschreckend kaltschnäuzige Tierquälerei, so die Auffassungen des damaligen ACEB-Vorstands. Bemerkenswert, dass solche Züchter später führende Positionen im ACEB bekleiden können.
1978 - neue Erfolge
Im Mai 1978 wurde in Brühl eine der erfolgreichsten Veranstaltungen seiner Zeit durchgeführt. Die Richter Dora Wakefield und Prinz Alexander von Ratibor und Corvey hatten ein volles Pensum und mussten 87 Bulldogs aus dem In- und Ausland richten. Frau Angehrn und Frau Preston erhielten für ihre Bulldogs Urkunden als Deutsche Champions. Dr. Deermann, Dr. Schäfer und Doris Ehrenstein wurden mit der silbernen Ehrennadel des VDH ausgezeichnet. Es gab ein Kinderprogramm, eine Tombola, selbstgebackenen Kuchen, Filmvorführungen und ein festliches Abendessen. Zu dieser Zeit zählte der ACEB um die 200 Mitglieder.
Zum 01.01.1979 eröffnete der ACEB schließlich das neue Zuchtbuch in das Eintragungen des CEB und DCEB eingingen. Es war zu seiner Zeit das einzige Zuchtbuch für Englische Bulldogs in der damaligen BRD.
1980 - ACEB entzweit, 4 der 7 Gründungsmitglieder treten aus
1980 eskalierte der Streit zwischen Vorstand und der Mehrheit der Züchterschaft im ACEB. Der erste Vorsitzende Dr. Deermann, Zuchtleiter Friedrich Krudewig, Geschäftsführerin Doris Ehrenstein und Schriftführerin Cornelia Deermann sahen schließlich in der Arbeit im ACEB keine Basis mehr für das Wohl und die Gesundheit des English Bulldogs. Mit ihnen traten einige weitere Mitglieder, zusammen 4 der 7 Gründungsmitglieder des ACEBs, aus diesem aus. Die Züchter hatten nun das uneingeschränkte Sagen im ACEB. Die oben angesprochenen Verfahren gegen unseriöse Zuchtpraktiken wurden eingestellt.
Leider war das Vereinsleben um den English Bulldog immer wieder geprägt von persönlich ausgetragenen Ränken, Intrigen, Eitelkeiten - rücksichtslos zu Lasten des Woihls unserer Bulldogs. Es ist zu befürchten, dass sich das bis in die heutigen Tage nicht wirklich geändert hat.
1980 - Verein der Freunde Englischer Bulldogs gegründet
Dr. Deermann atte im CEB und im ACEB gegen unseriöse Zuchtpraktiken gekämpft. Dieses Ziel sollte nicht aufgegeben werden. So entstand die Idee, einen neuen Bulldog-Verein, diesmal allerdings ohne Züchter, zu gründen, den Verein der Freunde Englischer Bulldogs e.V. (VdFEB). Ein Hundeverein nur für Liebhaber - das war ein ganz neuer Gedanke. Die meisten der 7 Gründer des ACEB, Autermann, Deermann, Ehrenstein, Krudewig gründeten nun den VdFEB, unterstützt von Cornelia Deermann, der ebenfalls ausgetretenen Schriftführerin des ACEB. Leider konnte sich auch dieser Verein nie vom hier dargestellten Stil der Auseinandersetzung restlos befreien und bleib hinsichtlich des Ringens um das Wohl und die Gesundheit des English Bulldogs letztlich bedeutungslos.
Fortsetzung folgt.
|