Bulldog: Thema HD
Hüftdysplasie oder Hüftgelenkdysplasie, kurz HD, ist eine
Störung bzw. krankhafte Fehlentwicklung des Hüftgelenks. Grob gesagt
passen Kugel und Pfanne des Gelenkes nicht mehr zusammen und sind in schlimmen
Fällen wie Ruinen deformiert. HD ist eine der verbreitesten Krankheiten
bei Hunden, die auch bei Laien bekannt ist. Bei vielen Hunderassen werden nur
Hunde zur Zucht zugelassen, die (weitgehend) frei von HD (A-B oder teils noch C
= leichte) sind. Aber auch selbst bei Collies oder Deutschen Schäferhunden
gibt es in der Praxis viele Ausnahmen. Bei der Schwesterrasse des Bulldogs, dem
französischen Bully, wird auf die Befundung von HD zur
Zuchtzulassung im VDH-Verein ganz
verzichtet. Ganze Tierkliniken leben inzwischen von der Korrektur der
Hüftgelenke.
Mittlere (D) und
besonders Schwere HD (E) bedeutet eine wesentliche Einschränkung der
Lebensqualität bis zum Verlust derselben bei den meisten Hunderassen,
insbesondere großen, Wind- und Arbeitshunderassen. Die meisten
Hunderassen legen großen wert auf intensives Laufen und Arbeiten. Der
hintere Teil des Bewegungsapparates leistet dabei die Hauptarbeit. Sind nun die
Hüftgelenke als zentrale Schnittstellen geschädigt, so trifft es
einen echten Lebensnerv der Hunde.
Der Bulldog ist hier etwas anders
als die anderen Hunde. Sein Bewegungsablauf geht stärker über die
kräftigen Vorderläufe. Darüber hinaus besitzt der Bulldog einer
außerordentlich kräftige Bemuskelung. Schließlich hat er ein
anders Bewegungsbedürfnis. Diese Punkte führen dazu, dass Bulldogs
bei leichter bis selbst mittlerer HD (C-D) in der Regel keinerlei
Einschränkung der Lebensqualität zeigen, selbst nicht im hohen Alter.
Dagegen hat der Bulldog andere gesundheitliche Probleme, die in der
heutigen Situation (2011) von vitaler Bedeutung sind, wie:
+
die Schädigung seines gesamten Atemapparates
+ die
Schädigung seiner Fähigkeit zur Thermoregulation, zur Kühlung
der inneren Körpertemperatur
+ die Deformation seines gesamten
Gebäudes und Bewegungsapparates durch die züchterischen
Übertreibungen (extrem breite Brustkörbe, extrem kurze
Vorderläufe, Roach Back, hintere Läufe wesentlich länger als
vordere etc...)
+ und insbesonders durch die weitgehend verloren
gegangene Fähigkeit zur eigenen Reproduktion (Kaiserschnitt als Regelfall,
künstliche Besamung und Aufzucht der Welpen)
Leichte HD ist beim heutigen Bulldog relativ,
schaut man sich die schlimmen Handicaps bei vitalen Funktionen des Lebens an,
von zweitrangiger Bedeutung. Die o.a. Handicaps sind dagegen von elementarer
Bedeutung für das Leben und die Lebenserwartung der Bulldogs. Sie sind
daher auch von entscheidender Bedeutung zur Wiederherstellung einer gesunden
Grundlage in der Zucht.
Es ist aus dem Interesse an der Gesundung der
Hunderasse nicht nachvollziehbar, wenn derzeit leichte HD in der Zuchtauswahl
eine wesentliche Rolle spielen soll, da gibt es (leider) wesentlich wichtigere
Baustellen, die teils unmittelbar Qualzucht relevant sind.
Selbstverständlich sollten auch Bulldogs mit schwerer HD konsequent aus
der Zucht gehalten bzw. genommen werden. Daher ist der HD-Status eine der
Grundvoraussaussetzungen zur Zuchtzulassung. Wird der Hund aber bereits
geröngt, so sollte man diese Untersuchung mit weiteren Aufnahmen wie des
Herzens und insbesondere der Luftröhre verbinden. Sollte die Zucht die
o.a. Handicaps in den Griff bekommen haben, so muss man natürlich auch bei
HD wieder strengere Maßstäbe anlegen.
Zum Thema HD beim
Bulldog:
+ Bericht der British Veterinary Association/Kennel Club Hip
Dysplasia Scheme - Breed Mean Scores at 01/11/2009.
+ Bulldog an der Sptze
der HD-Statistik: "Hip Dysplasia Statistics: Hip Dysplasia by Breed",
Orthopedic Foundation for Animals.
+ Statement des Vorsitzenden des britischen
Bulldog Breed Council, Arthur Rowe.
(Beitrag Christoph Jung)